Warum es nicht an dir liegt, wenn du nicht besser wirst.
Warum du nicht das Problem bist, auch wenn es sich so anfühlt.
Irgendwann kommt dieser Moment.
Du spielst schon eine Weile. Du übst. Du gibst Energie rein. Und trotzdem passiert gefühlt, nichts.
Und dann schaust du dir andere Drummer an. Wie die spielen. Wie leicht das wirkt. Wie fließend. Und du fragst dich: Was die können, warum kann ich das nicht?
Ich kenne diesen Gedanken. Ich hab ihn selbst sehr lange gedacht.
Der Moment, in dem ich angefangen hab, an mir zu zweifeln
Ich habe in meinen ersten 8 Jahren sehr viel alleine gespielt. Ehrlich gesagt war es mehr ein Mitspielen nach Musik als echtes, bewusstes Üben. Das war eine Zeit lang okay. Ich war glücklich. Es hat Spaß gemacht.
Aber irgendwann ging es nicht mehr weiter.
Alle um mich herum schienen leichter zu spielen. Ich hab nie verstanden, wie das geht. Ich hab gedacht, ich mach es so wie alle es machen. Ich lern es so wie man es eben lernt.
Und weil ich keine andere Erklärung hatte, hab ich irgendwann angefangen zu denken: Es liegt an mir. Wenn ich alles genauso mache wie die anderen und trotzdem nicht weiterkomme, dann bin ich einfach nicht der Typ dafür.
Das war mein Glaubenssatz. Sehr lange.
Was dieser Gedanke wirklich ist
Kein Drummer denkt sich das aus.
Der Gedanke entsteht, weil du echten Einsatz bringst und echte Frustration bekommst. Das ist eine logische Schlussfolgerung, nur leider die falsche.
Denn das Problem liegt fast nie an der Person.
Es liegt daran, dass ein Fundament fehlt, das so grundlegend ist, dass die meisten Drummer nicht mal wissen, dass es existiert. Nicht weil sie nicht aufmerksam wären, sondern weil dieses Fundament selten jemand explizit anspricht.
Ich hab das an mir selbst erlebt. Und ich erlebe es heute in Gesprächen mit Drummern, die 20, 30, manchmal 50 Jahre gespielt haben und mir dasselbe erzählen.
Die Herausforderung ist dieselbe. Beim Drummer mit 2 Jahren Erfahrung. Und beim Drummer mit 50 Jahren. Was mir das sagt: Es geht nicht darum, wie lange du schon spielst. Es geht darum, ob du dieses eine Ding jemals wirklich adressiert hast.
Was dieses Fundament ist
Es ist die Kontrolle über deinen Körper.
Nicht im Sinne von "mehr üben" oder "disziplinierter sein". Sondern im Sinne von: Kann dein Körper wirklich das tun, was dein Kopf ihm sagt?
Warum kommt die linke Hand nicht hinterher?
Warum verlierst du beim Übergang vom Groove in den Fill den Faden?
Warum fühlt sich vieles schwer an, obwohl du weißt wie es klingen soll?
All das hat dieselbe Wurzel.
Ich hab das selbst lange nicht verstanden. Ich dachte, ich hab Kontrolle. Auf einer Skala von 1 bis 10 war ich vielleicht bei 3 und dachte: passt schon. Was wir nicht kennen, vermissen wir nicht.
Und dann hab ich angefangen, wirklich daran zu arbeiten.
Das war nicht einfach. Am Anfang war es anstrengend, weil mein Körper dieses neue Körpergefühl erst mal entwickeln musste. Aber ab einem bestimmten Punkt hab ich mich gefragt: Wie konnte ich eigentlich vorher ohne das spielen?
Was das konkret bedeutet
Du musst nicht von vorne anfangen.
Du musst nicht alles, was du kannst, über Bord werfen. Du nimmst mit, was du schon spielst und bringst es in eine neue Form. Eine Form, die trägt.
Die meisten Drummer, die ich begleite, spielen nach kurzer Zeit Dinge, die sie vorher für sich ausgeschlossen hätten. Nicht weil sie plötzlich mehr Talent haben. Sondern weil das Fundament jetzt da ist und alles darauf aufbauen kann.
Freier spielen. Nicht mehr vor jedem Fill denken: wird das klappen?
Einfach spielen.
Das ist es, was ich jedem Drummer wünsche und warum ich tue, was ich tue.